Infoabend 04

Weltgruppe Möhlin

 

Entwicklung im Süden nützt auch uns

Von Erfolgen in der Entwicklungszusammenarbeit berichtete  Dr. Chr. Stückelberger, Direktor von Brot für alle und Theologieprofessor an der Uni Basel, den interessierten Zuhörern im Pfarreizentrum Schallen in Möhlin.

 "Sichere Lebensgrundlagen für alle - Wunschtraum oder erreichbares Ziel"

sk. An einem Beispiel in der Demokratischen Republik  Kongo erklärte Stückelberger anhand von Bildern, wie die Menschen in einem fruchtbaren, aber abgeschiedenen Gebiet im Süden des Kongo mit einer Starthilfe ihre Lebensgrund-lagen nachhaltig sichern konnten. So seien Krankheiten infolge Fehl-ernährung dort nicht mehr anzutreffen. Er staune immer wieder bei seinen Besuchen, wie leistungsfähig diese Menschen trotz widrigsten Bedingungen seien. Von zentraler Bedeutung seien auch Verkehrs-wege, die den Austausch von Saatgut und Fachwissen, die Gesundheitsversorgung sowie den Handel mit überschüssigen Erzeug-nissen ermöglichen. Deren Ausbau könne aber keinesfalls mit unsern Strassen verglichen werden. Ein solcher würde immense Summen verschlingen, welche andernorts fehlen würden.

 

Erfreuliche Resultate

Heute haben 70 % der Weltbevöl-kerung Zugang zu sauberem Trink-wasser, vor 30 Jahren waren es erst 36 %. Etwa in der gleichen Zeit sank die Säuglingssterblichkeit in den Entwicklungsländern um mehr als die Hälfte, von 150 auf 70 von Tau-send Lebendgeburten. In den letzten beiden Jahrzehnten stieg die Einschulungsquote für Mädchen in Primar- und Sekundarschulen von 38 % auf 78 %. Eine gute Ausbil-dung der Mädchen ist sehr wichtig, denn sie sind es, die für ihre künftige Familie sorgen müssen,  und, dank guter Bildung, können sie diese auch besser planen.

Erfolg auch bei der Nahrungsmittel-produktion: Sie hat in den letzten 10 Jahren in den Entwicklungsländern trotz Bevölkerungswachstum um

25% pro Kopf zugenommen. (Angaben der Uno: www.undp.org)

 

Noch grosse Herausforderungen

an die Entwicklungszusammenarbeit stellt die Zunahme der HIV-/Aids-Infizierten, sie hat sich von 1990 bis

1997 von weniger als 15 Millionen auf 33 Millionen verdoppelt.

Fast ein Drittel der Weltbevölkerung, rund 1,3 Milliarden Menschen, lebt immer noch in Armut. 800 Millionen hungern.

 

Moderne Missionsarbeit

Die Kirche spielt im Alltag unserer Partner im Süden eine ungleich grössere Rolle als bei uns. Diese Missionsstationen sind es auch, welche mit ihren Strukturen eine erfolgreiche, nachhaltige Entwick-lungszusammenarbeit  ermöglichen. Grossen Wert, so der Theologe Stückelberger, muss auf gute theologische Ausbildung gelegt werden, weil sie die Grundlage zum respektvollen Umgang mit anderen Kulturen und Religionen darstellt.

 

Nicht an Hilfswerke delegieren

In der regen Diskussion wurden Regierungen kritisiert, dass sie ihre Pflicht zur Armutsbekämpfung den Hilfswerken überlassen. Dies zu verhindern, werden intensive Dialoge geführt, erklärt der Referent. Kritik aus der Runde erhielten jene multinationalen Konzerne, deren Geschäftspraktiken eine Entwick-lung  verunmöglichen oder Vertrei-bungen und Umweltschäden verur-sachen. Sie müssten ebenso in die Pflicht genommen werden.

 

Unterstützung der Projekte ist eines, entwicklungspolitische Mitsprache die andere Notwendigkeit.

Stückelberger betont, dass sichere Lebensgrundlagen für alle nur erreicht werden können, wenn auch auf politischer Ebene Massnahmen ergriffen würden. Die Hilfswerke nehmen deshalb Einfluss auf politische Prozesse und Entscheide in der Schweiz und in Europa. Mit Eingaben, Einsitz in Kommissionen, Kontakten zu Verwaltung und Parlament übernehmen sie die Interessenvertretung des Südens. Für diese wichtige Mitsprache brauche es Spezialisten, oft auch externe, und dafür bräuchten die Hilfswerke auch finanzielle Mittel. Stückelberger ist für "Brot für alle" in dieser Arbeit engagiert. Er hofft, dass Kirchgemeinden und Private neben ihren Beiträgen an ein bestimmtes Projekt auch diese wichtige Arbeit der entwicklungs-politischen Mitsprache unterstützen.

 

"Wenns dene besser geit .."

Nützt dieser Einsatz auch uns, eine mutige Frage. Der Referent ist überzeugt, dass ein menschen-würdiges Leben für alle auch uns viele Vorteile bringt: Mehr Frieden weltweit, mehr Stabilität, weniger Migration.

Wie die Menschen im Süden für uns eine heilsame Bereicherung sein können, schreibt Chr.Stückelberger in seinem neusten Buch "Kraft aus dem Süden". Zu beziehen bei Brot für alle, Monbijoustr. 29, Pf. 5621, 3001 Bern - bfa@bfa-ppp.ch - www.brot-fuer-alle.ch

Beim Apéro und nach der Veranstaltung konnte man sich über Amnesty, Dritte Welt-Gruppe und die Produkte des Claro-Weltladens Rheinfelden informieren.

 
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Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte:

Artikel 1
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

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Updated: 20 Dez 2009