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Expedition „Globalisierung“ - Ein JahresrückblickDie Ausgangsfrage für die „Stolperanlässe“, die wir in diesem Jahr durchgeführt haben, lautet: Was können wir tun, damit die Welt sich fair-ändert?
Die Frage mag für manche ungewohnt sein. Die so genannten Entwicklungsländer brauchen unsere Unterstützung, so denken viele – und haben völlig Recht. Nur heisst unterstützen nicht nur und in erster Linie Geld spenden. Es bedeutet auch und zuallererst, seine eigenen Möglichkeiten im Alltag auszuschöpfen. Menschen in den weniger privilegierten Teilen unserer Erde geben wir so, bei den „richtigen“ Alltagsentscheidungen, den nötigen Spielraum für ein menschenwürdiges Dasein. „Euere Almosen könnt ihr behalten, wenn ihr faire Preise zahlt!“. Mit diesem Slogan provozierte die Weltladenbewegung bereits in den 90er-Jahren die Öffentlichkeit. Damit packte sie in eine griffige Formulierung, was viele Menschen in den armen Ländern seit langem schon fordern: Gebt uns nicht nur Geld, um unsere Probleme zu lösen. Steckt uns nicht in die Zwangsjacke der Dankesschuld, die wir nie abbezahlen können. Macht uns nicht abhängig von Euch und Euerem System, sondern nehmt uns ernst: Als Menschen mit gleichen Rechten, als gleichwertige Handelspartner, als ebenbürtig Suchende, die mit Euch gemeinsam an einer solidarischeren und gerechteren Welt mitbauen. Von diesem Horizont und dieser Vision liess sich die Weltgruppe Möhlin herausfordern. Deshalb erschöpfen sich die diesjährigen Aktivitäten nicht darin, die verschiedenen Projekte zu betreuen und finanziell zu begleiten. Neben den Projekten rücken das lokale Umfeld und der persönliche Alltag in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Was kann ich tun angesichts der weltweit ablaufenden Entwicklung, die wir Globalisierung nennen? Was kann mein Beitrag sein, damit Ungerechtigkeit, Armut und Elend, Gewalt und Kriege, übermässiger Reichtum, Flüchtlingsströme und Unterdrückung aller Arten, nicht immer grösser werden? Welches kleine Gegengewicht des Handelns kann ich in die Waagschale legen, damit die Hoffnung nach „Fair-Änderung“ nicht stirbt? Welche Entscheidungen treffe ich im Alltag, damit die kleinen zarten Pflänzchen des menschlichen Miteinanders, des partnerschaftlichen Umgangs und der Einhaltung der Menschenrechte, wachsen können? Was hier eventuelll als Theorie daherkommt, wurde in den einzelnen Veranstaltungen mit Handlungsperspektiven und vorbildhaften Aktionen zur konkreten, praxisnahen Realität. In den Vorüberlegungen zu den einzelnen Veranstaltungen ging es darum, Themenbereiche zu definieren, in denen es klare und eindeutige Möglichkeiten für eine persönliche Entscheidung gibt. Ein zweites, wichtiges Kriterium betraf die Erkenntnis, dass die getroffene Entscheidung auch wirklich ein Potenzial an „Fair-änderung“ beinhaltet. Mit anderen Worten: Wo lohnt sich ein Einsatz? Steht der Energieaufwand in einem guten Verhältnis zum Ertrag, oder läuft er völlig uneffektiv ins Leere? Die Antwort im Alltag auf diese Frage kann sich jeder Teilnehmer nur selber geben. Und sie misst sich sowohl am Grad der eigenen Erkenntnis über die weltweiten „Verwicklungen“, als auch an der Entschlossenheit, die eigene Überzeugung auch zu leben. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die einzelnen Stolperanlässe in diesem Jahr. Sie können an dieser Stelle weder ausführlich inhaltlich dokumentiert, noch umfassend kommentiert werden. Aber es soll eine „Skizze“ sein, die an der einen oder anderen Stelle zum „Ausmalen“ animieren soll.
Der erste Stolperanlass im Januar 2006 startete
gleich mit einem emotional hoch besetzten Thema.
„Unbekannte Nachbarn – die Muslime“ war der Titel für diese gut besuchte Veranstaltung. Prof. Antonio Luprieno, inzwischen Rektor der Universität Basel, machte in einem geschichtlichen Abriss deutlich, wie vielschichtig, wie religiös und kulturell befruchtend sich seit jeher das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit gestaltet. Eine „andere Globalisierung“ auf lokaler Ebene kann in diesem Zusammenhang heissen, seine eigenen Vorurteile abzubauen und durchbrechen zu lassen von persönlichen Begegnungen mit Muslimen. Offenheit und gegenseitiger Respekt lassen Erfahrungen zu, die zu einem kleinen Baustein einer friedlicheren Welt werden können. Der zweite Anlass beschäftigte sich im Februar mit dem Themenkomplex „Moblität“. Christian Harb, Präsident von umverkehR, belegte mit eindrücklichen Beispielen und Aktionen, wie eine zukunftsfähige Mobilität möglich ist. Damit stand das Thema Ökologie im Mittelpunkt des Interesses. Die Bewahrung der Umwelt als Rücksichtnahme auf die Natur bedeutet immer auch, den natürlichen und gesunden Lebensraum für die Menschen zu erhalten. Ein wichtiger Baustein darin ist die Art, wie und mit welchen Vehikeln wir uns fortbewegen. An diesem Abend wurde ein weiter Horizont der alternativen Möglichkeiten sichtbar: Öffentliche Verkehrsmittel nutzen, car-sharing, Verzicht auf kurze Flugstrecken und vieles andere mehr wurden zur konkreten Entscheidungsvorlage für den Alltag.
Die dritte Veranstaltung folgte im März und setzte sich mit dem Thema „Fairer Handel“ auseinander. Sara Meyer von der Dachorganisation claro fair trade AG verstand es, auf methodisch anregende Art und Weise, die TeilnehmerInnen dieses Abends gründlich zu informieren und persönlich herauszufordern. Welchen Entscheidungsspielraum haben wir als KonsumentInnen? Wie gross ist unser Einfluss auf die Handelsstrukturen? Wie können wir mit alternativen Kaufentscheidungen nachhaltige Lösungen für Mensch und Umwelt unterstützen? Motiviert und hoffnungsvoll gestimmt gingen die TeilnehmerInnen nach diesem Impuls zum alternativen Handel – und damit alternativen Kaufen! - nach Hause.
Im Mai fanden dann gleich zwei Veranstaltungen statt: Zum einen war die Weltgruppe Möhlin mit einem „Erlebnisstand über Energiesparen und Sonnenenergie“ am Maimarkt von Möhlin vertreten. Die Frage nach alternativen Energiequellen rückt zwar immer mehr ins öffentliche Bewusstsein. In der Diskussion geht es aber vor allem um die eigenen wirtschaftlichen und finanziellen Interessen. Die Weltgruppe Möhlin stellte den globalen Zusammenhang her und thematisierte die massiven Auswirkungen auf die Entwicklungsländer, die wir mit unserer Art und Weise des Umgangs mit Energie verursachen.
Eine Exkursion im selben Monat Mai, die in Kooperation mit dem Verein für Natur- und Vogelschutz durchgeführt wurde, brachte die oftmals abstrakte Thematik der Globalisierung auf eine sinnlich wahrnehmbare, konkret beobachtbare Ebene. Vögel als einen Indikator für den Gesundheitszustand der Welt, so könnte kurz zusammengefasst das Fazit dieser Exkursion lauten.
Den Abschluss der Stolperanlässe in diesem Jahr war inhaltlich keine „leichte Kost“. Im Vortrag „Wieviel Eiweiss verträgt die Welt“ von Vroni Müller ging es um die Frage der Ernährung und die damit verbundenen Problemstellungen. Als Gesundheitsberaterin ging sie fundiert auf die Folgen der Fehlernährung durch zuviel Eiweiss ein. Gleichzeitig spannte sie den Bogen in die Welt, in der Millionen von Menschen unterernährt sind oder Hungers sterben, weil auf der anderen Seite der Erdkugel dermassen verschwenderisch mit Nahrungsmitteln umgegangen wird.
Ein intensives Jahr mit vielen Veranstaltungen und Aktivitäten liegt hinter uns. Der Name „Stolperanlass“ war bewusst gewählt, um immer wieder unsere eigenen gewohnten Sicht- und Handlungsweisen zu hinterfragen. Um kurz über den einen oder anderen Zusammenhang zu „stolpern“, nicht um auf die Nase zu fallen, sondern mutigen und beschwingten Schrittes weiterzugehen in Richtung auf eine gerechtere, solidarischere, freundlichere und lebensbejaendere Welt. In diesem Sinne dankt die Weltgruppe Möhlin Ihnen allen für Ihr Interesse und Ihre Teilnahme an der einen oder anderen Veranstaltung. Wir sehen in Ihnen Weggefährten in unserem Anliegen für ein menschenwürdiges Dasein aller Menschen und auch Weggefährten in der Bereitschaft, einen persönlichen Einsatz dafür zu leisten. Im Jahr 2007 werden wir in irgendeiner Form die „Stolperanlässe“ weiterführen: sei es durch gezielte Aktionen oder aber durch weniger Aufsehen erregende Lobbyarbeit in Vereinen oder Gruppierungen, deren Potenzial für einen zukunftsfähigeren Umgang mit Ressourcen oder bezüglich diverser Kaufentscheidungen noch nicht ausgeschöpft ist. Ihnen allen ein gutes, Frucht bringendes, neues „Stolperjahr“ 2007! |
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: Artikel 1
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